Friday, September 6, 2013

Die neuen Jobs

Experten schätzen, daß in der EWG innerhalb dieses Jahrzehnts mindestens jeder zehnte Erwerbstätige seinen gegenwärtig ausgeübten Beruf aufgeben muß, weil er durch den Wandel der Technik, der Organisationsformen und der Produktionsstruktur überflüssig wird. Arbeitsmarktprognosen für die Bundesrepublik haben ergeben, daß etwa 44 Prozent der Erwerbstätigen (das sind rund elf Millionen) bis 1980 den Arbeitsplatz wechseln müssen. Oft wird dies mit einem Wechsel des Berufes verbunden sein. Für immer mehr Beschäftigte nimmt deshalb die Erwerbstätigkeit den Charakter des Jobs an. Mobilität wird in Zukunft am Arbeitsplatz eine noch größere Rolle Spielen als bisher.


Keine Angst – der Berufswechsel wird nicht immer so radikal sein wie der Wechsel vom Acker ans Fließband. Oft kann die Umschulung am alten Arbeitsplatz stattfinden – wie beispielsweise bei der Umstellung der Buchführung auf elektronische Datenverarbeitung. In vielen Fällen sind die Übergänge auch fließend. Die Abwanderung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft in den Dienstleistungssektor kann nämlich einfach darin bestehen, daß bei manchen Betrieben Ackerbau und Viehzucht immer mehr zugunsten des Fremdenverkehrs vernachlässigt werden – bis schließlich die ganze Familie feststellt, daß Touristen leichter zu melken sind als Kühe. Es handelt sich dann nur statistisch um Landflucht,


Doch welche Tätigkeiten verdienen – mit dem Blick auf die Zukunft – überhaupt noch die Bezeichnung Beruf?


Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um Funktionen, die nichts oder nur wenig mit der unmittelbaren Güterproduktion zu tun haben, Die meisten Tätigkeiten, für die ein Universitätsstudium Voraussetzung ist, können als echte Berufe angesehen werden. Bestehen bleiben gerade die Akademikerberufe, deren Träger früher wegen der oft sehr schlechten Bezahlung als akademisches Proletariat bezeichnet wurden. Hierzu gehören vor allem die Lehrer an Schulen und Hochschulen, Pfarrer, Richter, Staats- und Rechtsanwälte, Ärzte und Apotheker. Auch Lehrer, Ärzte und Juristen werden zwar mehr noch als bisher die Technik in ihre Arbeit einbeziehen müssen – ob es nun die programmierte Lernmaschine, die Strahlenheilkunde, der Computer als Diagnosehilfe oder Rechtsarchiv ist –, aber wer den Menschen erzieht und bildet, ihn heilt, seine religiösen Bedürfnisse stillt oder für sein Recht sorgt, kann durch mechanische und elektronische Apparate nicht ersetzt, sondern nur unterstützt werden.




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